090313: Heute das Konzert! Komischerweise bin ich nicht
aufgeregt. Ich muss um sieben aufstehen, weil wir um neun nochmal eine Probe
haben. Als ich bei Rhenish ankomme wartet schon der Bus auf uns. Es sind nicht
gerade viele Leute im Bus, weswegen wir nur einen von den zwei bestellten
Bussen brauchen. Wir fahren los und kommen nach ca. einer halben Stunde bei
Spier(einem Weingut)an. Nachdem wir eine halbe Stunde oder so geprobt haben,
haben wir erst mal sehr lange Freizeit, weil die Band einen Soundcheck mit den
Solisten machen müssen.
Als wir endlich reingelassen werden proben wir gerade einmal
eine Stunde, dann fahren wir mit den Bussen wieder heim.
Wir fahren mit dem Bus um sechs wieder zu Spier. Alle in
Schuluniform. Wir machen noch einen Soundcheck und werden dann in eine Ecke
gebracht, wo wir warten sollen. Um zehn nach acht stellen wir uns in der
Formation auf in der wir auf die Bühne gehen werden. Wir müssen aber noch
warten, weil vorne noch ein Interview läuft. Dann geht’s auf die Bühne. Für mich
ist erst mal kein Platz- ich muss mich in die erste Reihe stellen. Ganz schön viele Leute da. Genauer gesagt 800
Leute. Aufgeregt bin ich aber immer noch nicht. Dann geht es los. Es vergeht
ziemlich schnell, ein paar Fehler kommen auf aber das fällt zum Glück niemandem
auf. Die Solisten sind der Hammer, das Publikum Klasse, und der Chor sowieso
einfach Toll! 150 Mädchen und 80 Jungs. Am Abend fahren wir relativ bald wieder
zurück, trotzdem sind wir alle glücklich, dass es so gut geklappt hat.
170313: Schon bald noch ein Konzert, das Concert in the
Garden. Als ich ankommen sind alle schon am, dann fängt es an mit dem Chor von Rhenish
Primary, dann ein Geigen Duett, Rhenish’s got Talent, Paul Roos‘ (die
Jungsschule) got Talent, Brass Trio und die Marimba Band.
Nach einer kurzen Pause kommt dann das Orchester und zum
Schluss das Highlight: der Rhenish und PR Mass Chor. Es ist extrem gut! Mit
unseren eigenen Solisten klingt es mindestens genauso gut wie bei Amen. Lusi,
unser Head Girl singt ein ganz wahnsinniges Solo. Sie ist schwarz und hat
einfach eine abartig gute Stimme. Es gibt auch ein paar Jungensolos. Es ist
einfach Wahnsinn!
230313: Heute fahre ich nach Kayamandi, einem Township am
Rande von Stellenbosch, der ausschließlich von schwarzen und farbigen bewohnt
wird. Eigentlich sollte es andersherum sein. Ich werde eine Freundin aus meiner
Klasse und ihre Zwillingsschwester besuchen. Es gab vor einer Woche ein
riesiges Feuer in Kayamandi, mit zwei Toten und über 800 Häuser werden
abgebrannt. Ich möchte es sehen und den Leuten helfen. Ich kaufe vorher noch Nudel
und sortiere Klamotten aus, die ich nicht mehr brauche. Warum muss es immer die
ärmsten der Armen treffen?
Die beiden Mädchen, Blantinah und Belinah eine Freundin
holen mich am Ortseingang ab und wir gehen zu ihrem Haus. Überall sind kleine
Shops, es gibt sogar eine Grundschule. Die leben natürlich schon alle in
solchen Blechhütten mit nur einem Zimmer. Die meisten haben weder eine Toilette
noch fließend Wasser. Auch schlafen tun die Mädchen nicht in ihrem eigenen
Haus, sondern in dem von einer Freundin. Aber sie sind immer noch glücklich und
lieben es. B&B leben zusammen mit ihrer Mutter. Die Schwester lebt in einem
anderen Haus, genau wie die beiden Brüder (übrigens auch Zwillinge). Sie kommen
aber oft besuchen, denn sie leben nur zwei, drei Häuser entfernt. Der Vater ist
tot.
B&B, die Freundin und ich holen noch eine andere
Freundin ab, deren Haus auch abgebrannt ist. Ich gebe ihr die Nudeln und die
Klamotten. Dann zeigen mir die Mädchen, wo das Feuer angefangen hat. Es gab
zwei Tote und über 4500 Leute ohne Zuhause. Die Leute sind seit einer Woche
schwer am wiederaufbauen. Die meisten der öffentlichen Toiletten und auch ein
paar Wasserzugänge sind abgebrannt. Es ist schrecklich.
Wir gehen noch zu einer anderen Familie und helfen ihnen
Zeug hin und her zu schleppen. Zwischendurch redet uns ein weißer Mann an, der
auch aus Deutschland kommt. Er hat hier vor zwölf Jahren einen Kindergarten
gegründet und hilft jetzt einer Familie, ihr Haus wieder aufzubauen. Er hat
einen ganz schlimmen Akzent.
Nachdem wir etwa eine Stunde geholfen haben, gehen wir
wieder nachhause und trinken was. Dann gehen wir in ein Jugendzentrum in der
Nähe. Sie haben eine Kirche, einen Chor, sie bieten Sport und andere
Aktivitäten an. Sie machen auch mittags nach der Schule essen für die Kinder,
die es sich nicht leisten können, eins zu haben. B&B helfen manchmal, indem
sie Geschirr abwaschen und so ein Zeugs. Wieder bei B&B habe ich mich dann
langsam daran gewöhnt, dass mich alle Leute anstarren, als käme ich vom Mond.
Nicht gemein oder so, aber schon verwundert. Sie lächeln aber immer. Es leben
zwar auch weiße in Kayamandi, aber die erkennt man. So weiße ich mich sieht man
da kaum. Und wenn sind sie meist angeekelt und wollen schnell wieder weg. Viele
kleine Kinder rennen an mir vorbei und berühren mich am Arm, fast wie um zu
sehen, ob ich auch echt bin. Sie sind ganz fasziniert und mir blüht total das
Herz auf.
ich habe ein neues Wort gelernt: hleka, es bedeutet Liebe in Xhosa.
xoxo, paula
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen