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Montag, 10. Oktober 2016

Ungewiss und ohne Schlaf

Namaste!

Nach 23 Stunden Flug bin ich endlich in Kathmandu, Nepal. Am Flughafen auf dem Gepaeckband findet man mehr Fernseher als Rucksaecke oder Koffer. Ich werde abgeholt und es beginnt meine erste Nahtoderfahrungsfahrt durch die Strassen von Nepal. Es gibt zwar Spuren und Verkehrsregeln, es wirkt nur nicht so. Jeder faehrt scheinbar wie und wo er will, Ampeln gibt es keine. Und trotzdem scheint es zu funktionieren (spaeter lese ich, dass es wahrscheinlicher ist, in Nepal in einem Verkehrsunfall zu sterben als bei irgendetwas anderem). Wenn ich nicht so muede waere wuerde ich wahrscheinlich vor Angst aussteigen und selberlaufen. 

Auf dem Weg zum Hotel. Jemand steckt sich beim Motorradfahren sein Handy in den Helm. Kinder laufen auf der Strasse herum und verkaufen Wasser. Nepalis laecheln mir zu. Huehner, Hunde und Kuehe stehen mitten auf der Strasse oder stacksen durch die Gegend. Mir ist heiss und meine Augen tun weh. Es riecht nach Curry und Abgasen. Auf der Strasse herrscht Hochbetrieb. Endlich im Hotel angekommen kann ich endlich duschen und nur noch tot ins Bett fallen. 

Als ich am naechsten Tag um 12 aus meinem Bett krieche merke ich dass ich einen neuen Zimmergenossen habe. Kurt, die Spinne.

Bei meinem ersten Trip durch das Viertel Thamel faellt mir auf, der Verkehr laeuft immer so ab. Man muss aufpassen wo man laeuft, um nicht umgefahren zu werden. Ueberall wird man angesprochen. Rikshaws, Guides, Drogen, Taxis, Floeten, Tikas, Hosen kaufen oder was auch immer. Es ist anstrengend aber genau wie an den Verkehr gewoehnt man sich daran und lernt, damit umzugehen. Gerade beim Taxi- oder Rikshaw fahren muss man tierisch aufpassen das man nicht abgezogen wird.

Die Folgen des schweren Erdbeebens vom letzten Jahr sind ueberall zu spueren oder zu sehen. Doch die Nepalis lassen sich nicht unterkriegen. Ueberall laufen Leute mit Tshirts mit dem Aufdruck "We will rise again" und daneben die nepalesische Flagge. Die Nepalis sind unfassbar hoeffliche und freundliche Menschen. Auch wenn sie schlecht Englisch sprechen versuchen sie meist trotzdem irgendwie zu helfen. In jeder Strasse findet man mindestens einen oder mehrere Tempel und es gibt zahlreiche Museen. Allerdings muss man als Europaeischer Tourist oft doch ziemlich blechen.

Und wenn man dann abends im Irish Pub oder Mittags beim Nepali Masala Tez trinken sitzt, lernt man fast immer andere Arbeiter oder Backpacker kennen. Ob man dann essen geht, ein Bier trinkt oder in einen Nepalesischen Nachtclub geht. Das faszinierende an den Bars, Pubs oder Nachtclubs ist, man bekommt ueberall und zu jeder Zeit etwas warmes zu essen wenn man moechte. Allerdings schliessen die meissten Sachen bereits um 12. Auch am Wochenende.

Ein paar Tage treffe ich Siddhartha, meinen Chef fuer das Projekt in dem ich arbeiten werde. Er zeigt mir die Stadt und spaeter laedt er mich auf einen Tee in sein Haus ein. Ich habe ein paar Tage frei in Kathmandu, da in Nepal gerade Ferien sind. Mit ihm bespreche ich die letzten Vorbereitungen. Ein paar Stunden entfernt von Kathmandu befindet sich das Projektgebiet des NCDC (Natural Conservation and Development Center).Was genau fuer eine Arbeit ab Mittwoch auf mich zukommt weiss ich selber noch nicht so genau. Aber ich hab Bock!



Nepalesische Erdbeebenstuetzkonstruktion



Taxifahren in Kathmandu






Einer der zahlreichen, vom Erdbeeben 2015 zerstoerten Tempel





















Festival Time





Freitag, 7. Oktober 2016

Hello again

Liebe alle,

es ist schon ein paar Tage her das ich wieder zurück bin und ich befinde mich auch schon wieder im naechsten Land, aber ich war in der Schweiz. Lange. Und habe viel gemacht. Hier kommen ein paar (viel zu verspätete) Eindrücke.

Ich verspreche hoch und heilig diesen Blog ausführlicher zu schreiben wenn die Reise weitergeht!

30.06.2016: Das Abenteuer beginnt.
Nach einer großen Abschiedsfeier und einem tränenreichen Abschied am nächsten Morgen setzte ich mich um 6.18 in den Zug in Spandau und fahre los. 11 Stunden, ein Dutzend Taschentücher und ein halbes Buch später komme ich in Savognin, einem kleinen Ort im Kanton Graubünden an und werde von einer Kollegin, Evi, abgeholt. Sie bringt mich in den nächsten Ort, Sur und von dort fahren wir noch 10 Minuten auf die Alp Flix hoch.
Dort befindet sich auf ca. 1900 Metern das Cotti Agritourismo. Seniorchef und Papa, Alfons Cotti hat den ganzen Betrieb und die Landwirtschaft zusammen mit Claudia Cotti aufgebaut. Zwei seiner Söhne, die Zwillinge Manuel und Linard haben vor Zwei Jahren den Betrieb übernommen und kümmern sich jetzt um das Heuen, die Schafe und eigentlich alles. Claudia macht Käse und Alfons übernimmt die Pferdepflege. (Das ist alles nur sehr grob beschrieben).

Neben dem Restaurant und den vielen Tieren gibt es noch die Hauptattraktion des Agritourismo, das Jurtenhotel. Hinter dem Restaurant mit Bergaussicht stehen 5 mongolische Jurten, ausgestattet mit einem Doppelbett, einem Holzofen und vielen Teelichten.
Außer mir arbeiten noch vier weitere Leute dort. Evi, Wolfgang, Nina und Kathi. Sie kommen alle aus Bayern.

In den naechsten 2,5 Monaten habe ich gearbeitet. In der Kueche, im Service, bei den Ponys, bei der Waesche, den Klos und in den Jurten. Wenn es dann dochmal Freizeit gab dann haben wir Fussball oder Filme auf einer grossen Leinwand im ehemaligen Futterstall geguckt, ich bin spazieren gegangen, in die Bergseen gehuepft, habe mir die Gegend angeschaut, habe ausgebuechste Ponys und Schafe wieder eingefangen, gefuehlt 1000 Kuchen gebacken und war Reiten. Ich habe in Jurten geschlafen, hab mit den Kollegen, Freunden und Besuchern am Lagerfeuer gesessen, Schnaps getrunken und Gitarre gespielt.

Ich war bei strahlendem Sonnenschein beim Heuen dabei und habe meine Kopfbedeckung vergessen, habe im Juli Schnee genossen, einen Indianer aus Arizona in den Schweizer Bergen Gitarre spielen sehen, viele tolle neue Leute kennengelernt, bin auf Berge gerannt, hab meinen Geburtstag gefeiert, den Nationalfeiertag der Schweiz am 1. August und die Lagerfeuer dazu miterlebt, bin an Gletschern und durch Schluchten gelaufen, habe Junggesellenabschiede miterlebt, bin zum ersten Mal alleine Autogefahren, war bei der Jagd dabei, spontan auf einem Bruce Springsteen Konzert und auf einem Country Fest in einem 250 Einwohner Dorf.

Ich habe gelacht, geweint, mich geaergert und bin verzweifelt. Ich hatte eine gute Zeit. Danke dafuer.