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Mittwoch, 5. April 2017

still alive?!

Juten Tach allersalz!

Ich habe mich viel zu lange vom Schreiben ausgeruht. Gut, das lag auch daran, das ich kaum Zugriff auf einen richtigen Computer hatte. Mit einem iPad einen Blog-Eintrag zu schreiben wuerde mir jeden Nerv rauben. Aber hier bin ich wieder. Nach 30 Tagen Indien und zweieinhalb Monaten Suedafrika.

Ueber Indien kann ich nicht besonders viel schreiben. Nicht weil ich nicht viel erlebt haette, sondern eher wegen zu vieler Erlebnisse und Eindruecke. Indien...ist einfach nicht beschreibbar. Entweder man liebt es oder man hasst es. Es gibt nicht viel dazwischen. Doch auch wenn man sich, wie ich, in dieses Land verliebt hat, wird man immer wieder auf die Probe gestellt und ein bisschen verzweifeln. Viel lernen, viel erleben und tolle Menschen und Landschaften kennenlernen. Aus diesen Gruenden wird der groesste Teil dieser Reise mein eigenes kleines Geheimnis bleiben...na gut, bis auf die Reiseroute und ein paar Fotos. Ein Mini-Einblick.

Ich komme am 16.12 in New Delhi an und Emilia, eine Freundin aus Potsdam holt mich ab. Sie macht hier in einer NGO in Delhi ein Freiwilligenjahr und wohnt in einer kleinen WG in der City mit drei Mitfreiwilligen, die ich sofort ins Herz schliesse. Wir verbringen zwei Wochen in Delhi, ich schaue mir den Arbeitsplatz meiner Freunde und viele Sehenwuerdigkeiten an. Weihnachten feiern wir zusammen in der WG mit Ingwer Keksen, Kunstschnee zum selbermachen und Brot vom Afghanen nebenan Am 29.12 geht dann die wirkliche Reise los. 18 Stunden in einem indischen Zug. Mich schuettelts immer noch. Aber es macht auch Spass. Die naechsten zwei Wochen geht es auf Kamelen durch die Wueste von Jaisalmer, Silvester in der Wueste, auf Reisen mit mehr Zuegen, in schoene und weniger schoene Begegnungen mit Couchsurfern, zum Ziplining ueber Jodphur, mit Lebensmitterlvergiftung nachts in einem Bus auf einer Strasse, die auch schon bessere Zeiten erlebt hat und schliesslich zu einer erholenden Strand-Cocktail-Fisch essen-Yoga-Erholungswoche in Goa, wo einen im Winter 35 Grad erwarten.

Cheers, Incredible India!

Und dann, am 14.01 geht die grosse Reise weiter. Als ich mich in den Flieger in Goa setzte erwartet mich erstmal die kraeftezehrendste Reise seit langem. Zwei Stunden Flug nach Mumbai. Zwei Stunden Aufenthalt. Naechster Flug ueber Nacht. Es geht nach Nairobi, Kenya. 10 Stunden nachts. Auf dem Flughafenboden schlafen. Weiter. Naechster Flug nach Livigstone, Sambia. Eine Stunde Technischer Stopp. Und um 13.30 am naechsten Tag endlich in Kapstadt ankommen.

Als ich den Tafelberg im Landeanflug sehe, kriege ich ein komisches Gefuehl. Es ist das dritte Mal fuer mich in Suedafrika. Ich kenne das Land und die Leute. Es ist ein bisschen, wie nach Hause kommen. Und doch weiss ich, das es wieder ganz anders werden wird als letztes Mal. Das ich wieder andere Leute kennen lernen und neue, spannende Erfahrungen machen werde. Obwohl es so vertraut ist. Ich werde vom Flughafen abgeholt und es geht nach Stellenbosch. Hier werde ich die naechsten zweieinhalb Monate leben und arbeiten.

Auf dem Weingut Delheim angekommen ruhe ich mich ein wenig aus. Die naechsten Tage werden direkt voll. Ich kenne die Familie, der das Weingut gehoert seit ca. 12 Jahren. Ich werde im Verkostungsraum, im Restaurant, in der Kueche und im Weinkeller arbeiten. Die meisste Zeit aber im Verkostungsraum. Dort bekomme ich am ersten Tag erstmal ein Tasting, um mich mit den Weinen vertraut zu machen. Und zwei Tage spaeter mache ich schon die erste Verkostung. Es ist eigentlich wirklich simpel. Die Leute kommen rein, setzten sich, suchen sich fuenf Weine aus, ich bringe sie und erklaere etwas zum Wein und beantworte Fragen. Und ich kann hoffentlich am Ende ein paar Flaschen verkaufen. Touristen und Einheimische kommen hierher, um Weine zu probieren. Kaeseplatten werden durch die Gegend getragen, T-Shirts, Gluehwein und Pfeffermuehlen in Form einer Weinflasche verkauft und viel gelacht. Die Arbeit gefaellt mir, man lernt viel ueber Wein und viele, verschiedene Leute aus allen moeglichen Laendern kennen. Auf Dauer wuerde ich es aber nicht aushhalten. Man muss den Leuten fast KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN ins Gesicht schreien. Und der Konkurrenzdruck, wer am meisten Wein verkauft und am meisten Komission bekommt, ist natuerlich auch da. Nicht besonders stark, aber er ist da. Und das nervt mich persoenlich. Ich will lieber mit meiner Leidenschaft, die ich in etwas stecke, jemanden dazu bringen etwas zu kaufen aber nicht nur dafuer arbeiten. Es war aber auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung, auch mal diese Seite der Gastronomie zu sehen.

Einen Tag habe ich auch im Weinkeller verbracht. Es ist Hochsaison der Ernte. Das Kellerpersonal ist rund um die Uhr beschaeftigt mit Trauben entgegennehmen und pressen, Ueberwachung der Fermentierung, der Hefe, dem Saeure- und Zuckergehalt, etc, dem Abfuellen des Weins und dem Labeln der Flaschen. In nur einem Tag lerne ich so viel ueber die Weinproduktion. Natuerlich nur ein Bruchteil von dem, was der komplette Beruf eigentlich mit sich bringt, aber es ist ein Anfang und gibt mir, als immer noch Zukunftsaussichten -suchende, einen spannenden Einblick in die Weinindustrie und hilft mir bei der Entscheidung, ob dieser Bereich etwas fuer meine Zukunft waere.

Genauso half dabei meine Zeit im Restaurant und in der Kueche. Im Restaurant bin ich ein paar Tage als Kellnerin eingesprungen. Nichts allzu neues fuer mich, man lernt aber natuerlich auch hier immer wieder neues.

Der spannendste Teil fuer mich waren die Tage in der Ptisserie-Abteilung der Kueche. Zusammen mit dem Kuechenchef und der Chef-Konditorin habe ich gelernt, wie man Cupcakes macht, den perfekten Kaesekuchen oder verschiedene Teigarten herstellt. Ich hab gelernt welche Geraete fuer was am besten sind, habe Picknickkoerbe zusammengestellt und die Desserts und Kaeseplatten fuers Restaurant hergerichtet. Den Stress im Alltag der Kueche mitgekriegt aber auch gemerkt, wie viel Spass mir das macht und das das eine Passion fuers Leben ist.


Suedafrika ist ein grosses Land der Wein- und Bierkultur. Man trinkt eben gern. Es ist ein grosses, gesellschaftlich akzeptiertes "Hobby". Ob man nun von Weingut zu Weingut durch die Verkostung tingeln, Wein oder Bier zum Braai (Grillen, auch sehr beliebt) trinket oder auf ein Gin & Tonic oder Weinfestival geht.

Es sind viele deutsche Touristen dabei. Sie werden durch den deutschen Hintergrund der Farm angelockt und es sind generell sehr viele deutsche Touristen in Suedafrika unterwegs.

In der naechsten Zeit lerne ich nette Kollegen kennen, lerne viel ueber Wein, die verschiedenen Geschmaecker, die Herstellung und so weiter. Es ist faszinierend zu sehen, wie der Wein mit verschieden schmeckenden Trauben anfaengt, durch den gesamten Produktionsprozess geht und schliesslich als gelabelte Flasche im Verkauf oder auf dem Tisch landet.

In Stellenbosch, Kapstadt und der gesamten Gegend kommen soviele Erinnerungen wieder, ich treffe alte Gesichter und entdecke Restaurants, kleine Ecken und schoene Orte wieder. In den ersten Wochen versuche ich mich auch bei VisionAfrika (https://visionafrika.com/) und beim Pebbels Projekt (http://www.pebblesproject.co.za/) aktiv zu machen. Zwei Organisationen, die sich auf die Foerderung von Bildung der Kinder und Familien aus der Weingegend und aus den Townships konzentrieren. Beide nehmen aber hauptsaechlich langzeitfreiwillige von mindestens sechs Monaten an. Einen kleinen Einblick bekomme ich aber trotzdem in die wundervolle Arbeit dieser Projekte, da sich eins der Pebbels Projekte auf der Delheim Farm befindet. Die Kinder der Arbeiterfamilien bekommen hier so etwas wie einen Kindergarten und eine Nachmittagsbetreuung, welche ebenfalls dafuer sorgt, das Menschen aus den Townships oder Jobsuchende einen Job\eine Ausbildung bekommen und Kinder betreuen duerfen.

Stellenbosch und Umgebung hat aber natuerlich nicht nur Wein zu bieten. Sondern auch eine tolle Berglandschaft, von der man ausgezeichnet die atemberaubenden Sonnenuntergaenge ueber Kapstadt und dem Tafelberg bestaunen kann.
Ausserdem bietet die Studenten- und Touristenkultur von Stellenbosch noch diverse Events wie ein Street Soiree, bei der sich verschiedene Weingueter vorstellen, ein Festival "Vensters", bei der die Erstis der Uni Stellenbosch verschiedene Tanzeinlagen vorstellen, ein Beginn der Ernte Fest nach dem anderen, und und und...

Und wenn ich ab und zu mal von der Farm weggekommen bin (ist ohne eigenes Auto relativ schwierig und oeffentliche Verkehrsmittel sind hier auch nicht wirklich verbreitet) und mal nach Kapstadt oder in die Stellenbosch Umgebung duesen konnte, habe ich meine Zeit im Two Oceans Aquarium verbracht, die unglaubliche Geschichte von Robben Island und District Six naeher kennengelernt, viele, tolle Leute & andere Backpacker kennengelernt, Sonnenaufgaenge vom Tafelberg und Sonnenuntergaenge vom Signal Hill und Lions Head beobachtet, mich tierisch ueber die Regierung aufgeregt, eine Vollmond Wanderung auf einen Berg gemacht, eine Schule besucht und ueber das Leben auf einer Weinfarm berichtet, viele, viele Weine probiert, bei einem Color Run mitgemacht, ueber einen Nacktflitzer beim allseits beliebten Rugby gelacht, Pinguine in Boulders Beach beobachtet, Cape Point und Cape Hope wieder gesehen, eine Shakespeare Auffuehrung in einem Park gesehen, auf dem Stellenbosch Wine Festival mehr Weine probiert, habe Freunden beim Aufbau von Skulpturen zugesehen, am Strand Bier getrunken, war mit Robben schnorcheln, waere fast Paragliden gewesen, habe die Waterfront bewundert, Marimba Bands zugesehen, ein Pizza & Wine Festival besucht, alte Gesichter wiedergesehen, in Hermanus Fisch gegessen, eine Mini-Safari Tour besucht und alles in allem die beste Zeit gehabt.

Heute, 182 Tage nachdem ich mich auf meine grosse Reise gemacht habe, geht es mir sehr merkwuerdig. Morgen Nachmittag werde ich nach Hause fliegen. Nach sechs der aufregendsten, nervenaufreibensten, spannendsten und wunderschoensten sechs Monaten meines Lebens. Ich freue mich darauf, aber es fuehlt sich auch komisch und ungewohnt an. Ich moechte jedem Danken, der mich auf meinem Weg begleitet hat. Egal wie. Ein Kapitel endet - Ich bin bereit fuer das naechste. 



Sonntag, 18. Dezember 2016

WHY NO WORKING

"Paaulaaaa!", brüllt es von draußen. "Yes?", brülle ich zurück. "Come on!" "Okay!", antworte ich. Schnell packe ich meine Sachen zusammen und renne in die ACAP Küche. Dort wartet Didi, die mit mir Kochen will. Ich bin zurück in Bhujung, mit neuer Motivation und werde gleich lernen, wie man Daal Bhat zubereitet.

Im zweiten Teil meiner Bhujung Zeit möchte ich gern mehr machen. Ob Reis oder Zement schleppen, vielleicht eine Geschichte über den wunderbaren Bhujung-Tee schreiben, das Day Care Gebäude Pflastern oder was auch immer.

Nach der Festivalzeit läuft alles sehr langsam an. Ich bin noch fast allein bei ACAP und ohne eine richtige Aufgabe. Ich gehe also wieder ins Day Care Center und in die Tea Nursery, aber es kommt mir so vor, als gäbe es weniger zu tun. Vielleicht liegts am Winter. Den spürt man mittlerweile deutlich. Nicht nur an den Temperaturunterschiede, auch die Bürozeiten verkürzen sich. Nochmal. Nach und nach kommen die ACAP Mitarbeiter zurück. Ich versuche mir meine eigenen "Nebenaufgaben" zu suchen, Nepali zu lernen (in diesem Prozess bekomme ich auch einen Nepalesischen Namen), Didi in der Küche zu helfen, noch mehr Mandalas zu malen oder mehr über den Tee herauszufinden. Ändern tut sich aber leider nicht viel. Ein Problem ist auch, das es keine wirklich Grenze zwischen den Büro- und den Freizeiten gibt. Man ist irgendwie die ganze Zeit irgendwie da. So zum Beispiel auch am Strike Day. Ich will morgens zur Day Care gehen, Rajesh hält mich aber auf und sagt das heute nichts offen hat. Alle streiken. Als ich nachfrage wieso, kann mir niemand so wirklich eine Antwort geben. Und obwohl sie nicht arbeiten, hängen sie den ganzen Tag auf dem Bürogelände rum, sitzen im Garten, reden, trinken Tee. Weil ich nach Arbeit suche, bekomme ich einen 110-Seiten Bericht über ACAP 2015 zu lesen. Uff.
Als das Day Care Gebäude neu gepflastert werden soll, wird dort natürlich dann nicht gearbeitet. Ich möchte den beiden Lehrerinnen aber dabei helfen. Sie lassen mich aber nicht wirklich, sie sehen mich eben leider doch mehr als Gast als als Mitarbeiterin. Auf Dauer deprimiert die ganze Situation mich irgendwie ein bisschen...

... bis zu dem Tag als meine Mutter in ihrem Hotel in Kathmandu jemanden von der Organisation "All Hands" trifft. Relativ spontan entscheide ich mich, die Organisation zu wechseln, packe meine Sachen, bekomme eine sehr süße Verabschiedung, viele Blumenketten und einen Abschiedstee und mache mich zurück auf den Weg nach Kathmandu. Danke Bhujung. Ich hatte eine gute Zeit.

Auf der wieder mal abenteuerlichen Fahrt muss der Jeep Fahrer anhalten um vier größere Steine aus dem Weg zu räumen, im Bus schenkt mir jemand eine Mandarine, weil ich ihn gefragt habe, ob die hier so sauer sind wie in Kathmandu und für den Rest der Fahrt riecht der ganze Bus nach Mandarinen, und im Fluss wurde auf die riesigen Felsen Werbung für Asiapaints gemalt.

Nur drei Tage später bin ich auf dem Weg nach Nuwakot, eines der Distrikte Nepals, etwa vier Stunden von Kathmandu entfernt, wo sich die drei Bases (Phritivi, Kahleni Devi und Bachchhala) von All Hands befinden. Aber was ist All Hands eigentlich?

All Hands ist eine Freiwilligenorganisation, die in Krisengebieten vor Ort sind und helfen. Auf ihrer Website beschreiben sie sich als folgendes:

"All Hands Volunteers is a volunteer-powered disaster relief organization dedicated to Rebuilding Hope for people impacted by natural disasters all over the world. Over the last 12 years, we have enabled over 37,000 volunteers to donate 200,000 days impacting 500,000 people worldwide."(www.hands.org/about-us)

Das bedeutet sie sie sind bis maximal 72 Stunden nach einem Desaster vor Ort, reden mit den Locals und finden heraus, wo wirklich Hilfe gebraucht wird. Nach dem schweren Erdbeben, welches im April 2015 große Teile Nepals wunderschöner Landschaft zerstört hat, baut All Hands nun Schulen wieder auf. Unicef kam nach dem Erdbeben und baute schnell ein paar temporäre Lerncenter, damit die Kinder so wenig wie möglich von ihrer Bildung verpassen, und nun baut All Hands sechs Schulen wieder auf. Vor kurzem haben sie außerdem einen Vertrag für drei neue Schulen abgeschlossen.

"On April 25, 2015, a 7.8 earthquake hit Nepal near the capital city of Kathmandu, the worst of its kind in more than 80 years. More than 9,000 people were killed, a further 23,000 were injured and the destruction to infrastructure and homes was massive.  On May 12, 2015, a second 7.3 earthquake struck the country, causing further devastation and loss of lives. 72 hours after the first earthquake, All Hands Volunteers arrived and got to work."

"After 17 months in Nepal, All Hands Volunteers has impacted over 20,000 people throughout our response and recovery efforts.  A total of 1,769 volunteers from 72 countries have donated 192,980 volunteer hours toward putting families back in homes and kids back in schools in Kathmandu, Sindhupalchowk, and Nuwakot. In addition to this core focus, we have been involved in numerous community projects such as masonry training, school reading projects, water catchment systems, and more. After more than a year, the Nepali people are still in dire need. As a result, All Hands Volunteers has focused our efforts on one goal- getting the children of Nepal back to school."
(https://www.hands.org/projects/nepal-earthquake-recovery/)

Drei Wochen arbeite ich mit All Hands in zwei Basecamps, Phritivi und Bachchhala. Es ist harte Arbeit auf der Construction Site. Ich fülle Zement in Formen, siebe Sand, fixiere Rebar, forme Stundenlang Draht, schleppe Steine oder Zement durch die Gegend, messe und schneide, schaufle Sand, Steine und Dreck durch die Gegend, schwitze, erlebe das unglaubliche Gefühl nach einem langen Tag Beton gießen in der unglaublichsten Teamarbeit die ich jemals gesehen habe, lache zusammen mit den anderen freiwilligen, sitze am Lagerfeuer, trinke Bier, sammle über tausend Dollar für meine Fundraising Seite, sehe Leute die für ihre Arbeit nicht bezahlt werden unglaublich hart arbeiten, lache und tanze mit den Locals, sehe glückliche Gesichter in der Nepali Community und habe eine unglaubliche, lehrreiche und belohnende Zeit.

Ich kann die Organisation jedem nur ans Herz legen, denn sie haben mir eine der schönsten Zeiten meines Lebens beschert, sie geben sich unglaublich viel Mühe und kümmern sich gut um ihre Freiwilligen. Vielen Dank nochmal an jeden einzelnen von euch. Jam Jam! <3

Am 13.12 fahre ich mit ein paar anderen Freiwilligen zurück nach Kathmandu, genieße noch ein paar freie Tage mit meinen neu gewonnenen Freunden und mache mich am 16.12 nach 77 Tagen Nepal und leicht kränkelnd auf den Weg nach Indien.

Es fühlt sich seltsam an, Nepal zu verlassen. Irgendwie ist es mein Zuhause geworden. Doch ich bin auch mindestens so aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten, Indien zu erforschen, kennenzulernen und zu bereisen. Danke Nepal, für alle Hochs und Tiefs, für alles, was ich von dir lernen und an dich weitergeben durfte und für jede Erinnerung und jedes Abenteuer, das ich mitnehmen darf.

 Let the journey carry on!















































Montag, 7. November 2016

Daal-Bhat twice a day and for a whole lifetime.


Am 11.10 kann ich mich endlich auf den Weg in das Bergdorf Bhujung machen. Morgens um 7.00 faehrt der Touri-Bus in Kathmandu ab. Es ist sehr angenehm, man bekommt Wasser, es ist nicht zu heiss und es gibt immer mal wieder Pausen. Um ca. 14 Uhr erreichen wir Dumre, wo ich in einen Public Bus umsteigen muss, der mich nach Beshisahar bringt. Hier wird allerdings gewartet, bis ein Bus voll ist, sonst lohnt es sich nicht. Und mit voll meine ich wirklich voll! Eng, heiss und lange. Im Kofferraum ist auch noch Bier auf meinem Rucksack ausgelaufen. Nach 2 Stunden ist es endlich geschafft und ich kann in meinem Hotel ins Bett fallen. Und am naechsten Tag geht es nach Bhujung. Aehnlich wie in Indien nehmen die Nepalis es sehr gelassen mit der Zeit. Statt um 10 fahre ich um 14 Uhr los. Frueher musste man noch in das Dorf laufen, es gab keine Strasse und man lief sieben Stunden mit oder ohne Traeger durch die Hitze und Regenwald hoch. Heute fahren Jeeps eine, naja nennen wir es mal Strasse hoch. Wegen der Festival-Zeit fahren aber nicht viele Jeeps. Meine einzige Moeglichkeit heute noch hochzukommen ist also auf der Ladeflaeche eines Jeeps. Zusammen mit 6 anderen Leuten, Reissaecken und Bierkisten geht es vier Stunden hoch. Man wird viel hin und her geschleudert, aber die Landschaft ist der Wahnsinn. Und wieder Bier auf meinem Rucksack. Naja.

Es wird kuehler. Als wir da sind, nimmt mich ein Mitarbeiter von ACAP mit zum Buero, zeigt mir mein Zimmer. Ein kleines Kaemmerchen mit Holzwaenden, die sehr hellhoerig sind, und einem kleinen Bett. Isoliert ist es mit einer Plastikfolie, dadurch spuert man jeden Windhauch und die Kaelte nachts. Zum Glueck gibt es Decken. Groessere Spinnen und Ratten als Nachbarn, aber mit ein bisschen Insektenspray kann es sehr gemuetlich werden. Dann gibt es Essen. Daal Bhat (Reis mit Curry und Linsen), was ich ab jetzt jeden Tag zweimal essen werde (Ich habe mal versucht zu zaehlen, am 07.11 waren es schon ca. 49 mal). Aber es ist gut! Am ersten Abend wird mir local wine angeboten. Nichtsahnend probiere ich. Das Ungewohnte ist, dass in Nepal der meisste Alkohol warm getrunken wird . Zum Beispiel Rum mit heissem Wasser oder eben warmer "Wein". Denn das steht hier mehr fuer selbstgebrautes Hochprozentiges.

Zur Organisation selber: ACAP, also das Annapurna Conservation Area Projekt, wurde 1968 gegruendet und fasst mit 7692 Quadratmetern das groesste Projektgebiet Nepals. Es ist an erster Stelle zum Schutz der natuerlichen Ressourcen da. Ausserdem unterstuetzt das Projekt die lokale Bevoelkerung und organisiert den Tourismus in der Gegend. Auslaendische Touristen muessen zum Beispiel 2000 Rupien (ca. 17 Euro) zahlen, um ueberhaupt die Region um den Annapurna betreten zu duerfen.
ACAP ist eine Art Tochterorganisation des NTNC (National Trust for Nature Conservation). Sie foerdert und ermoeglicht zum Beispiel Programme und Projekte im Bereich Agrikultur (Senf-, Tee-, Chilli- und Kaffeeanbau, Health Care oder Ziegenzucht), Kulturerhaltung und Community Development (Trinkwasser, Gemeindehaeuser und private Toiletten), Tourismusmanagement, Alternative Energien, Bildung und vieles mehr.
Sie betreibt auch mehrere Schulen und Kitas in Bhujung.
Das Buero in Bhujung ist von 10-17 Uhr offen. Freitags nur bis 15 Uhr. Denn in Nepal ist Samstag Feiertag. Und vor 10 Uhr passiert in Nepal erstmal gar nichts. Alles slooowly.

Sich an das Leben in Bhujung zu gewoehnen dauert. Es ist eben alles ganz anders. Anfangs gibt es viele Kommunikationsprobleme. Die meisten Leute hier oben sprechen nicht soo gut Englisch und bis man mal eine vernuenftige Information kriegt kann das dauern. Es gibt nur Klos zum hinhocken, man trinkt jeden Tag etwa 15 mal Tee, steht um sieben auf, isst aber erst um zehn zum ersten Mal etwas. Bhujung liegt auf ca. 1600 Metern und es gibt im ganzen Dorf glaub ich nur einen Weg, der nicht hoch oder runter geht. Ueberall Stufen und ueberall Ziegen- und Kuhkacke. Oft kommen einem die Feldarbeiter mit riesigen Korbladungen Mais oder Maisblaettern oder sonstigem entgegen. Oder Bauern mit Ziegenherden.  Jeder gruesst einen mit Namaste und das ganze Dorf ist sehr freundlich. Die Leute sind super offen und herzensgute Menschen, immer am lachen oder miteinander scherzen, man hoert eigentlich nie jemanden, der wirklich wuetend ist. Viele Leute sind kleiner als ich, worauf ich sehr stolz bin. Und sie rotzen ueberall hin. Abends kommen einem auf den dunklen Wegen oefters Kuehe entgegen und schnaufen einen an. Ich erschrecke mich immer noch jedes Mal. Morgens kann man die Aussicht auf den Lamjung Himal und den Annapurna Sued, zwei wunderschoene, schneebedeckte 8000er Berge geniessen und oft gibt es abends im Jugendclub kulturelle Programme mit Tanz, Musik oder Film. Denn die Gurungs (so heisst die Kultur hier oben) feiern sehr gern - wie alle Nepalis: Diese nutzen jeden Anlass fuer Feiertage oder mehrtaegige Festivals, ob buddhistisch, hinduistisch, christlich oder sonstwas.

Da ich in der Festivalzeit des Dashain gekommen bin, passiert Anfangs erstmal nicht soo viel. Ausserdem ist das ganze Dorf seit Tagen in Aufregung. Denn am Samstag (15.10) kommen der deutsche Botschafter, der Director von NTNC und eine Konsulin aus Deutschland mit dem Helikopter zu Besuch. Ueberall werden Blumenketten gebastelt und Willkommensschilder aufgehaengt.
Als es dann soweit ist, laueft das halbe Dorf hoch zur Schule, wo der Helikopter landen wird. Die Gaeste werden mit Schals und Blumenketten empfangen, mit dem Jeep zum Dorf gefahren und auf den Teeplantagen im Dorf herugefuehrt. Ich unterhalte mich ein bisschen mit dem Piloten, einem Schweizer, der seit ein paar Monaten bei einer Helifirma in Pokhara arbeitet. Weil ich weiss bin, zufaellig neben dem Piloten laufe und das Dorf mich noch nicht soo gut kennt, bekomme ich auch so viele Blumenketten, dass mir der Nacken wehtut und sich mein Hemd gelb faerbt. Und Reis auf die Stirn. Durch das ganze Dorf stehen an beiden Seiten Nepalis und begruessen die Gaeste. Es ist ziemlich laut. Aber lustig. Alle sind supernett. Es gibt einen offiziellen Empfang und eine kleine Diskussion ueber das Projekt und wie man weiter foerdern kann. Dann noch ein Mittagessen und die Gaeste muessen schon wieder gehen. Es wird immer nebliger und der Pilot hat Angst, dass er sonst nicht mehr fliegen kann.

Die neachsten zwei Wochen helfe ich in der Kueche, lese viel, schaue der Mothers' Group bei ihren Meetings zu, lerne, wie man eine Sitzmatte aus Maisblaettern flicht, arbeite auf den Teeplantagen, wo die beiden Mitarbeiter mich zu ihrer Nepali Bhaini (Schwester) machen (sie sind jetzt meine Dhais) und in der Day Care, einer Art Kita mit 2- bis 4-jaehrigen Kindern, die alle schrecklich niedlich sind und mich immer anspringen. Es gibt keine wirkliche taegliche Routine, jeden Tag wartet eine neue Ueberraschung. Es gibt eben viele, sehr viele Festivals und dann muss gebetet und geopfert und gefeiert werden. An den Samstagen ist dann Bath Day oder man hilft irgendwo bei der Gartenarbeit. Das meine ich mit gewoehnungsbeduerftig. Kann auch passieren, dass man irgendwelche Viecher im Bett hat und dann der ganze Koerper juckt, aber dann muss man einfach das Bettzeug einmal waschen und in der Sonne aufhaengen und dann passt es auch wieder. Staendig kommt Besuch von ACAP-Officials oder Schulen aus Kathmandu oder Taenzern oder oder oder. Dafuer habe ich gelernt, wie man Henna benutzt und soviele nepalesische Tanzprogramme gesehen, dass mir schon schwindelig wird, wenn ich nur daran denke. Auf der anderen Seite findet man dann immer wieder Leute im Dorf, die doch einen Computer haben und darauf Game of Thrones gucken oder Videospiele spielen. Sie haben immer irgendwas zu tun und gute Laune und sind einfach tiefenentspannt. Und das ist wahnsinnig bereichernd. Was ich mir auf jeden Fall einfach noch mehr aneignen muss, ist die Seelenruhe, mit der die Nepalis ihr Leben angehen.
Kurz vor dem naechsten Festival fahren viele der ACAP Mitarbeiter zu ihren Familien nach Hause, ich bin also fast alleine. Nur die local staff members sind noch da. Einer von ihnen nimmt mich auf einen kleinen Trek durch den Regenwald mit. Oben auf dem Grat gibt's dann erstmal ein Bier :D


Am 31.10 kann ich mir dann eine kleine Pause goennen, fahre mit Jeep und Bus nach Pokhara und treffe meine Mutter, die zu Besuch gekommen ist! Es gibt ein freudiges Wiedersehen, ein Bier am riesigen, wunderschoenen Fewa-See von Pokhara und natuerlich ganz viel zu erzaehlen. Wir planen unsere naechsten Tage, wie wollen naemlich trekken gehen in der Annapurna-Gegend.
Als wir am naechsten Morgen ausgeschlafen und voller Vorfreude fruehstuecken gehen, wartet schon unser Guide auf uns und gegen halb zehn machen wir uns mit einem Taxi auf den Weg nach Phedi, wo unser Trek starten soll. Die Wanderwege in Nepal bestehen groesstenteils aus Steinstufen, was auf Dauer sehr anstrengend wird, weil sie naemlich auch noch ziemlich steil sind. Ausserdem ist es irre heiss. Andererseits hat das den Vorteil, dass man sehr schnell an Hoehe gewinnt. Die Landschaft ist wie immer der Wahnsinn und man kann auf Pokhara runterschauen. Es gibt superviele Lodges und Restaurants auf dem Weg, man muss sich also kaum Sorgen machen, dass man keinen Schlafplatz mehr bekommt. Wir laufen ueber Dhampus und Pothinat und erreichen nach ca. sechs Stunden Laufzeit unser Tagesziel Tholka. Es wird schon langsam dunkel. Wir bekommen ein nettes Zimmer und nach dem Essen gibt es noch ein Tanzprogramm der lokalen Mothers' Group und der Jugendlichen. Was leider bis spaet in die Nacht geht.

02.11: Um neun Uhr machen wir uns wieder auf den Weg nach Landruk. Wir passieren mehrere wunderschoene Wasserfaelle und laufen noch gefuehlt tausende steile Treppenstufen hoch und runter, bis wir gegen 17 Uhr Chhomrong erreichen. Wir befinden uns mittlerweile auf 2100 Metern und hier gibt es tatsaechlich WIFI. Abends geniessen wir den Sonnenuntergang mit Aussicht auf den Machapuchchre und den Annapurna Sued. Relativ spontan entscheiden wir uns, das Annapurna Base Camp (kurz A.B.C.) zu besuchen. Beziehungsweise werde ich alleine mit dem Guide gehen, weil meine Mutter sich wegen eines Unfalls vor zwei Monaten doch noch nicht soo fit fuehlt.

Diese Tour ist allerdings ziemlich hart. Wir wollen in drei Tagen von Chhomrong ins A.B.C und zurueck nach Ghandruk laufen. Es gibt nochmal ultraviele Stufen, es geht immer hoeher. Das Atmen wird mit jedem Schritt anstrengender und es wird nachts sehr kalt, -10 Grad. Aber als wir dann endlich im A.B.C stehen, ist das alles vergessen. Wir haben grosses Glueck mit dem Wetter, die Sonne scheint und waermt uns ein klein bisschen auf und es ist kein einziges Woelkchen zu sehen. 4130 Meter ueber dem Meer. Es ist ein unbeschreibliches Gefuehl. Die Aussicht auf den Machapuchchre, den Annapurna Sued und vor allem auf den Annapurna Hauptgipfel sind der pure Wahnsinn. Ueberall stehen Zelte von Bergsteigern und in den schattigen Plaetzen liegt noch Schnee. Der Atem dampft. Ich bin sehr froh, das ich mich entschieden habe hochzugehen, auch wenn ich zwei Tage spaeter zurueck in Pokhara nur noch tot ins Bett fallen kann.

Jetzt geniesse ich hier noch zwei freie Tage mit meiner Mutter und dann geht es auch schon wieder hoch ins Projektgebiet. Bis in vier Wochen! (hoffentlich.)