"Paaulaaaa!", brüllt es von draußen. "Yes?", brülle ich zurück. "Come on!" "Okay!", antworte ich. Schnell packe ich meine Sachen zusammen und renne in die ACAP Küche. Dort wartet Didi, die mit mir Kochen will. Ich bin zurück in Bhujung, mit neuer Motivation und werde gleich lernen, wie man Daal Bhat zubereitet.
Im zweiten Teil meiner Bhujung Zeit möchte ich gern mehr machen. Ob Reis oder Zement schleppen, vielleicht eine Geschichte über den wunderbaren Bhujung-Tee schreiben, das Day Care Gebäude Pflastern oder was auch immer.
Nach der Festivalzeit läuft alles sehr langsam an. Ich bin noch fast allein bei ACAP und ohne eine richtige Aufgabe. Ich gehe also wieder ins Day Care Center und in die Tea Nursery, aber es kommt mir so vor, als gäbe es weniger zu tun. Vielleicht liegts am Winter. Den spürt man mittlerweile deutlich. Nicht nur an den Temperaturunterschiede, auch die Bürozeiten verkürzen sich. Nochmal. Nach und nach kommen die ACAP Mitarbeiter zurück. Ich versuche mir meine eigenen "Nebenaufgaben" zu suchen, Nepali zu lernen (in diesem Prozess bekomme ich auch einen Nepalesischen Namen), Didi in der Küche zu helfen, noch mehr Mandalas zu malen oder mehr über den Tee herauszufinden. Ändern tut sich aber leider nicht viel. Ein Problem ist auch, das es keine wirklich Grenze zwischen den Büro- und den Freizeiten gibt. Man ist irgendwie die ganze Zeit irgendwie da. So zum Beispiel auch am Strike Day. Ich will morgens zur Day Care gehen, Rajesh hält mich aber auf und sagt das heute nichts offen hat. Alle streiken. Als ich nachfrage wieso, kann mir niemand so wirklich eine Antwort geben. Und obwohl sie nicht arbeiten, hängen sie den ganzen Tag auf dem Bürogelände rum, sitzen im Garten, reden, trinken Tee. Weil ich nach Arbeit suche, bekomme ich einen 110-Seiten Bericht über ACAP 2015 zu lesen. Uff.
Als das Day Care Gebäude neu gepflastert werden soll, wird dort natürlich dann nicht gearbeitet. Ich möchte den beiden Lehrerinnen aber dabei helfen. Sie lassen mich aber nicht wirklich, sie sehen mich eben leider doch mehr als Gast als als Mitarbeiterin. Auf Dauer deprimiert die ganze Situation mich irgendwie ein bisschen...
... bis zu dem Tag als meine Mutter in ihrem Hotel in Kathmandu jemanden von der Organisation "All Hands" trifft. Relativ spontan entscheide ich mich, die Organisation zu wechseln, packe meine Sachen, bekomme eine sehr süße Verabschiedung, viele Blumenketten und einen Abschiedstee und mache mich zurück auf den Weg nach Kathmandu. Danke Bhujung. Ich hatte eine gute Zeit.
Auf der wieder mal abenteuerlichen Fahrt muss der Jeep Fahrer anhalten um vier größere Steine aus dem Weg zu räumen, im Bus schenkt mir jemand eine Mandarine, weil ich ihn gefragt habe, ob die hier so sauer sind wie in Kathmandu und für den Rest der Fahrt riecht der ganze Bus nach Mandarinen, und im Fluss wurde auf die riesigen Felsen Werbung für Asiapaints gemalt.
Nur drei Tage später bin ich auf dem Weg nach Nuwakot, eines der Distrikte Nepals, etwa vier Stunden von Kathmandu entfernt, wo sich die drei Bases (Phritivi, Kahleni Devi und Bachchhala) von All Hands befinden. Aber was ist All Hands eigentlich?
All Hands ist eine Freiwilligenorganisation, die in Krisengebieten vor Ort sind und helfen. Auf ihrer Website beschreiben sie sich als folgendes:
"All Hands Volunteers is a volunteer-powered disaster relief organization dedicated to Rebuilding Hope for people impacted by natural disasters all over the world. Over the last 12 years, we have enabled over 37,000 volunteers to donate 200,000 days impacting 500,000 people worldwide."(www.hands.org/about-us)
Das bedeutet sie sie sind bis maximal 72 Stunden nach einem Desaster vor Ort, reden mit den Locals und finden heraus, wo wirklich Hilfe gebraucht wird. Nach dem schweren Erdbeben, welches im April 2015 große Teile Nepals wunderschöner Landschaft zerstört hat, baut All Hands nun Schulen wieder auf. Unicef kam nach dem Erdbeben und baute schnell ein paar temporäre Lerncenter, damit die Kinder so wenig wie möglich von ihrer Bildung verpassen, und nun baut All Hands sechs Schulen wieder auf. Vor kurzem haben sie außerdem einen Vertrag für drei neue Schulen abgeschlossen.
"On April 25, 2015, a 7.8 earthquake hit Nepal near the capital city of Kathmandu, the worst of its kind in more than 80 years. More than 9,000 people were killed, a further 23,000 were injured and the destruction to infrastructure and homes was massive. On May 12, 2015, a second 7.3 earthquake struck the country, causing further devastation and loss of lives. 72 hours after the first earthquake, All Hands Volunteers arrived and got to work."
"After 17 months in Nepal, All Hands Volunteers has impacted over 20,000 people throughout our response and recovery efforts. A total of 1,769 volunteers from 72 countries have donated 192,980 volunteer hours toward putting families back in homes and kids back in schools in Kathmandu, Sindhupalchowk, and Nuwakot. In addition to this core focus, we have been involved in numerous community projects such as masonry training, school reading projects, water catchment systems, and more. After more than a year, the Nepali people are still in dire need. As a result, All Hands Volunteers has focused our efforts on one goal- getting the children of Nepal back to school."
(https://www.hands.org/projects/nepal-earthquake-recovery/)
Drei Wochen arbeite ich mit All Hands in zwei Basecamps, Phritivi und Bachchhala. Es ist harte Arbeit auf der Construction Site. Ich fülle Zement in Formen, siebe Sand, fixiere Rebar, forme Stundenlang Draht, schleppe Steine oder Zement durch die Gegend, messe und schneide, schaufle Sand, Steine und Dreck durch die Gegend, schwitze, erlebe das unglaubliche Gefühl nach einem langen Tag Beton gießen in der unglaublichsten Teamarbeit die ich jemals gesehen habe, lache zusammen mit den anderen freiwilligen, sitze am Lagerfeuer, trinke Bier, sammle über tausend Dollar für meine Fundraising Seite, sehe Leute die für ihre Arbeit nicht bezahlt werden unglaublich hart arbeiten, lache und tanze mit den Locals, sehe glückliche Gesichter in der Nepali Community und habe eine unglaubliche, lehrreiche und belohnende Zeit.
Ich kann die Organisation jedem nur ans Herz legen, denn sie haben mir eine der schönsten Zeiten meines Lebens beschert, sie geben sich unglaublich viel Mühe und kümmern sich gut um ihre Freiwilligen. Vielen Dank nochmal an jeden einzelnen von euch. Jam Jam! <3
Am 13.12 fahre ich mit ein paar anderen Freiwilligen zurück nach Kathmandu, genieße noch ein paar freie Tage mit meinen neu gewonnenen Freunden und mache mich am 16.12 nach 77 Tagen Nepal und leicht kränkelnd auf den Weg nach Indien.
Es fühlt sich seltsam an, Nepal zu verlassen. Irgendwie ist es mein Zuhause geworden. Doch ich bin auch mindestens so aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten, Indien zu erforschen, kennenzulernen und zu bereisen. Danke Nepal, für alle Hochs und Tiefs, für alles, was ich von dir lernen und an dich weitergeben durfte und für jede Erinnerung und jedes Abenteuer, das ich mitnehmen darf.
Let the journey carry on!
Im zweiten Teil meiner Bhujung Zeit möchte ich gern mehr machen. Ob Reis oder Zement schleppen, vielleicht eine Geschichte über den wunderbaren Bhujung-Tee schreiben, das Day Care Gebäude Pflastern oder was auch immer.
Nach der Festivalzeit läuft alles sehr langsam an. Ich bin noch fast allein bei ACAP und ohne eine richtige Aufgabe. Ich gehe also wieder ins Day Care Center und in die Tea Nursery, aber es kommt mir so vor, als gäbe es weniger zu tun. Vielleicht liegts am Winter. Den spürt man mittlerweile deutlich. Nicht nur an den Temperaturunterschiede, auch die Bürozeiten verkürzen sich. Nochmal. Nach und nach kommen die ACAP Mitarbeiter zurück. Ich versuche mir meine eigenen "Nebenaufgaben" zu suchen, Nepali zu lernen (in diesem Prozess bekomme ich auch einen Nepalesischen Namen), Didi in der Küche zu helfen, noch mehr Mandalas zu malen oder mehr über den Tee herauszufinden. Ändern tut sich aber leider nicht viel. Ein Problem ist auch, das es keine wirklich Grenze zwischen den Büro- und den Freizeiten gibt. Man ist irgendwie die ganze Zeit irgendwie da. So zum Beispiel auch am Strike Day. Ich will morgens zur Day Care gehen, Rajesh hält mich aber auf und sagt das heute nichts offen hat. Alle streiken. Als ich nachfrage wieso, kann mir niemand so wirklich eine Antwort geben. Und obwohl sie nicht arbeiten, hängen sie den ganzen Tag auf dem Bürogelände rum, sitzen im Garten, reden, trinken Tee. Weil ich nach Arbeit suche, bekomme ich einen 110-Seiten Bericht über ACAP 2015 zu lesen. Uff.
Als das Day Care Gebäude neu gepflastert werden soll, wird dort natürlich dann nicht gearbeitet. Ich möchte den beiden Lehrerinnen aber dabei helfen. Sie lassen mich aber nicht wirklich, sie sehen mich eben leider doch mehr als Gast als als Mitarbeiterin. Auf Dauer deprimiert die ganze Situation mich irgendwie ein bisschen...
... bis zu dem Tag als meine Mutter in ihrem Hotel in Kathmandu jemanden von der Organisation "All Hands" trifft. Relativ spontan entscheide ich mich, die Organisation zu wechseln, packe meine Sachen, bekomme eine sehr süße Verabschiedung, viele Blumenketten und einen Abschiedstee und mache mich zurück auf den Weg nach Kathmandu. Danke Bhujung. Ich hatte eine gute Zeit.
Auf der wieder mal abenteuerlichen Fahrt muss der Jeep Fahrer anhalten um vier größere Steine aus dem Weg zu räumen, im Bus schenkt mir jemand eine Mandarine, weil ich ihn gefragt habe, ob die hier so sauer sind wie in Kathmandu und für den Rest der Fahrt riecht der ganze Bus nach Mandarinen, und im Fluss wurde auf die riesigen Felsen Werbung für Asiapaints gemalt.
Nur drei Tage später bin ich auf dem Weg nach Nuwakot, eines der Distrikte Nepals, etwa vier Stunden von Kathmandu entfernt, wo sich die drei Bases (Phritivi, Kahleni Devi und Bachchhala) von All Hands befinden. Aber was ist All Hands eigentlich?
All Hands ist eine Freiwilligenorganisation, die in Krisengebieten vor Ort sind und helfen. Auf ihrer Website beschreiben sie sich als folgendes:
"All Hands Volunteers is a volunteer-powered disaster relief organization dedicated to Rebuilding Hope for people impacted by natural disasters all over the world. Over the last 12 years, we have enabled over 37,000 volunteers to donate 200,000 days impacting 500,000 people worldwide."(www.hands.org/about-us)
Das bedeutet sie sie sind bis maximal 72 Stunden nach einem Desaster vor Ort, reden mit den Locals und finden heraus, wo wirklich Hilfe gebraucht wird. Nach dem schweren Erdbeben, welches im April 2015 große Teile Nepals wunderschöner Landschaft zerstört hat, baut All Hands nun Schulen wieder auf. Unicef kam nach dem Erdbeben und baute schnell ein paar temporäre Lerncenter, damit die Kinder so wenig wie möglich von ihrer Bildung verpassen, und nun baut All Hands sechs Schulen wieder auf. Vor kurzem haben sie außerdem einen Vertrag für drei neue Schulen abgeschlossen.
"On April 25, 2015, a 7.8 earthquake hit Nepal near the capital city of Kathmandu, the worst of its kind in more than 80 years. More than 9,000 people were killed, a further 23,000 were injured and the destruction to infrastructure and homes was massive. On May 12, 2015, a second 7.3 earthquake struck the country, causing further devastation and loss of lives. 72 hours after the first earthquake, All Hands Volunteers arrived and got to work."
"After 17 months in Nepal, All Hands Volunteers has impacted over 20,000 people throughout our response and recovery efforts. A total of 1,769 volunteers from 72 countries have donated 192,980 volunteer hours toward putting families back in homes and kids back in schools in Kathmandu, Sindhupalchowk, and Nuwakot. In addition to this core focus, we have been involved in numerous community projects such as masonry training, school reading projects, water catchment systems, and more. After more than a year, the Nepali people are still in dire need. As a result, All Hands Volunteers has focused our efforts on one goal- getting the children of Nepal back to school."
(https://www.hands.org/projects/nepal-earthquake-recovery/)
Drei Wochen arbeite ich mit All Hands in zwei Basecamps, Phritivi und Bachchhala. Es ist harte Arbeit auf der Construction Site. Ich fülle Zement in Formen, siebe Sand, fixiere Rebar, forme Stundenlang Draht, schleppe Steine oder Zement durch die Gegend, messe und schneide, schaufle Sand, Steine und Dreck durch die Gegend, schwitze, erlebe das unglaubliche Gefühl nach einem langen Tag Beton gießen in der unglaublichsten Teamarbeit die ich jemals gesehen habe, lache zusammen mit den anderen freiwilligen, sitze am Lagerfeuer, trinke Bier, sammle über tausend Dollar für meine Fundraising Seite, sehe Leute die für ihre Arbeit nicht bezahlt werden unglaublich hart arbeiten, lache und tanze mit den Locals, sehe glückliche Gesichter in der Nepali Community und habe eine unglaubliche, lehrreiche und belohnende Zeit.
Ich kann die Organisation jedem nur ans Herz legen, denn sie haben mir eine der schönsten Zeiten meines Lebens beschert, sie geben sich unglaublich viel Mühe und kümmern sich gut um ihre Freiwilligen. Vielen Dank nochmal an jeden einzelnen von euch. Jam Jam! <3
Am 13.12 fahre ich mit ein paar anderen Freiwilligen zurück nach Kathmandu, genieße noch ein paar freie Tage mit meinen neu gewonnenen Freunden und mache mich am 16.12 nach 77 Tagen Nepal und leicht kränkelnd auf den Weg nach Indien.
Es fühlt sich seltsam an, Nepal zu verlassen. Irgendwie ist es mein Zuhause geworden. Doch ich bin auch mindestens so aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten, Indien zu erforschen, kennenzulernen und zu bereisen. Danke Nepal, für alle Hochs und Tiefs, für alles, was ich von dir lernen und an dich weitergeben durfte und für jede Erinnerung und jedes Abenteuer, das ich mitnehmen darf.
Let the journey carry on!










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