070313: Heute geht’s mal in die Wine Harvest. Um halb sieben
morgens gehen Nora und ich zu den Leuten, die heute in die Ernte gehen. Vier
schwarze Frauen und ein Mann. Wir machen uns also auf den Weg, es ist noch
recht kühl. Nach fünf Minuten Fahrt, auf denen wir noch zwei weitere Frauen
einfangen kommen wir bei den Reben an. Es sind noch ca. 20 andere Leute da. Das
Ding, ich bin die einzige weiße. Und das einzige „Kind“. Aber kein Problem.
Nach kurzer Vorstellung nimmt sich jeder einen Korb und los geht’s. Eine Schere
und die Trauben abschnibbeln. Ich stelle mich am Anfang relativ blöd an. Und
ich bin nicht annähernd so schnell wie der Rest. In Sekundenschnelle sind Körbe
um Körbe mit roten, saftigen Trauben gefüllt. Die Frau mit der ich
zusammenarbeite hat noch eine weitere Partnerin, also sind wir zu dritt, es
geht also noch schneller. Obwohl all diese Leute jeden Tag, manchmal in
tierischer Hitze, für wenig Lohn eine niedere Arbeit verrichten müssen sind
alle gut drauf, lachen und singen. Es ist ein lautes Gebrummel, alle zwei
Minuten schreit jemand „Case“, weil er/sie wieder ein neues Gefäß braucht. Wenn
das passiert kommen von allen Seiten Männer, nehmen die vollen Körbe weg und
geben einen neuen, leeren Korb mit einem Button drin. Dieser Button ist die
Zahlmethode. Es wird also nicht nach Stunde, sondern nach Menge bezahlt. Je
härter und schneller Arbeiten, desto mehr Geld.
Nach drei Stunden gibt es die erste Pause. Und die haben wir
alle dringend nötig. Ich bin von oben bis unten verdreckt mit Staub, Schweiß
und Traubensaft, meine Haare hängen mir irgendwie im Gesicht und meine Finger
sind so klebrig, das ich fast zwei Minuten brauche, um sie abzuwaschen. Dann
haben alle ihr Frühstück. Jeder bringt sich was mit, wie in der Schule. Alle
reden Afrikaans miteinander also schalte ich ein bisschen ab, bis mich die Frau
mit der ich arbeite, anspricht. Wir reden ein bisschen darüber, wo wir
herkommen und so. Sie will einen Apfel essen, muss ihn aber überall anditschen,
weil sie vorne keine Zähne mehr hat.
Nach dem Frühstück geht es direkt weiter. Diesmal mit Merlot
Trauben. Schon nach einer Stunde bin ich wieder dermaßen fertig. Und das sieht
man mir anscheinend auch an, denn andauernd fragt mich irgendjemand (auf
Afrikaans natürlich) ob ich müde bin. Aber auf eine nette Art. Überhaupt sind
hier wieder alle total nett. Frauen und Männer von 18-60 oder so.
Gegen halb 12 kommt Victor, Noras Bruder dann vorbei, um
mich abzuholen. Klebrig und verschwitzt, aber sehr glücklich fahren wir dann
zurück zu Delheim. Harvesting ist eine echt harte Knochenarbeit. Aber es macht
auch einfach Spaß.
080313: Nach einer Chorprobe abends gehen Maria, Okara und
ich zurück zu Rhenish, wo heute das Konzert der Österreichischen
Austauschschüler ist, die im Moment an der Schule sind. Es ist echt super. Das
Gymnasium hat zwei Teile. Einen sprachlichen und einen musikalischen. Die
Schüler sind natürlich aus dem musikalischen Teil. Sie singen, tanzen und
spielen. Von Renaissance über Mozart über Ballett (ein Mädchen tanzt den weißen
und den schwarzen Schwan aus Schwanensee) bis hin zu Miles Davis und
Volksgesang. Sie singen und spielen auch ihre Volkslieder. Ein Junge am double
Bass geht immer richtig ab. Am Ende tanzen und singen sie noch zwei typisch
österreichische Lieder. Elias und der Junge vom Bass schreien ab und zu mal
unkontrolliert durch die Gegend. Es ist echt lustig.
Sie zeigen auch eine PPP über ihre Schule. Sie bedanken sich
bei der Schule und den Hostfamilien mit Schokolade und Rosen und singen am Ende
(in Dirndl und Lederhosen) eine afrikanische Hymne. Ein entspannter Abend.
Ich werde jetzt warscheinlich öfters posten weil ich erstens krank bin also schön zuhause bleiben darf und zehn Tabletten am Tag nehmen darf und ich zweitens nur noch sechs Wochen hier habe und hier trotz Schule und ordentlich vielen Tests immer irgendwas was abgeht. Bis dahin, genießt die Zeit!
xoxo, paula
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